Presseerklärung

September 2017


Die Politik lässt Kölner BerufsbetreuerInnen im Regen stehen.

Rechtliche Betreuung ist wertvoll und wichtig. Es kann jeden treffen Ein tragischer Verkehrsunfall, eine schwere Krankheit, eine psychische Erkrankung, eine Demenz. Eine Situation, in der der Betreffende seine Angelegenheiten nicht mehr selbständig regeln kann.

Rechtliche Betreuung ist Hilfe und Unterstützung bei rechtlichen Angelegenheiten, sie soll Menschen mit einer Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen und zum Wohl und nach dem Willen des betreuten Menschen ausgeführt werden.

Der Verein Kölner Berufsbetreuer und Berufsbetreuerinnen (VKB&B e.V.) und unser Berufsverband der BerufsbetreuerInnen (BdB e.V.) machen aufmerksam:

Nach 25 Jahren freiberuflicher Tätigkeit gibt es noch kein Berufsgesetz, seit 12 Jahren gibt es keine Erhöhung unserer Vergütungssätze.
Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Erhöhung um 15% wurde mit den Stimmen aller Fraktionen im Bundestag beschlossen.
Die JustizministerInnen der Länder blockieren und sind bisher dem Gesetzesbeschluss der Regierung nicht gefolgt.

Wir wollen qualifizierte Betreuungsarbeit leisten im Sinne unserer Klienten und dafür brauchen wir eine Reform. Struktur- und Qualitätsfragen müssen diskutiert werden.
Unsere Tätigkeit wird nach wie vor nicht als Beruf anerkannt, wir haben keine fachlichen Standards, keine Qualitätskriterien.
Qualifizierte Kolleginnen und Kollegen springen ab und suchen sich andere Tätigkeiten, weil unsere Bezahlung schlechter ist als bei jedem Facharbeiter.

Wir werden pauschal bezahlt und erhalten im Durchschnitt als Freiberufler 130 € im Monat pro Klient, für die wir häufig das ganze Leben organisieren, d.h. deren Post wir bearbeiten, die wir gerichtlich und außergerichtlich vertreten, für die wir Mietverträge schließen, den Umzug organisieren, mit deren Ärzten wir sprechen und Einwilligungen in Operationen geben, deren Schulden oder Vermögen wir verwalten, die wir beraten und begleiten zum Gespräch mit dem Arbeitgeber, dem Mieterverein oder dem Jobcenter.
Und all das in enger Abstimmung mit dem betreuten Menschen.

Da kann man sich ausrechnen, wie viele Klienten wir begleiten, unterstützen und vertreten müssen, um damit unsere berufliche Existenz zu bestreiten.
Die betreuten Menschen können nicht ausreichend mit eingebunden werden, die Vorgaben des Betreuungsgesetz können nicht ausreichend umgesetzt werden.
Das System ist seit langem nicht mehr funktionsfähig. Betreuungsvereine haben bereits das Handtuch geschmissen.
Bundesländer, übernehmt Verantwortung und beschließt am 22.09.2017 eine Erhöhung der Vergütungssätze. Es wäre ein erster Schritt zur Übernahme von Verantwortung, das System zu stärken.

VKB&B
Gerlinde Braun
Büro Rathenauplatz 30
50674 Köln
015144512544


Aktion im Bundestagswahlkampf

Wir haben in Nippes für unsere Sache demonstriert und mit VertreterInnen der Linken, der SPD, CDU, der Grünen und FDP gesprochen.

Fotos: Susanne Kosub